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Eine weitere Zufallsgeschichte ist die Story unserer Zündapp KS 600 aus dem Jahr 1939. Sie wurde kurz vor dem Kriegsausbruch in Nürnberg gebaut. Wurde vermutlich an die Wehrmacht ausgeliefert um dann in den Krieg zu ziehen. Wo sie überall in Einsatz war ist nicht bekannt. Zu Kriegsende jedoch blieb sie in Polen zurück. Dort wurde sie dann auch ca. 40 Jahre genutzt und mehr oder weniger am laufen gehalten. Im Jahr 1988 wurde das Motorrad dann offiziell von Polen nach Deutschland ausgeführt. Die Maschine war zu diesem Zeitpunkt in einem ziemlich maroden Zustand , sie sollte überholt und restauriert werden. Also wurde das Motorrad zunächst zerlegt. Zu dieser Zeit gab es die Zündappwerke längst nicht mehr . In Nürnberg jedoch lebten noch ehemalige Zündappmitarbeiter. Einer von ihnen hatte sich zu jener Zeit auf die Reparatur und Instandsetzung dieser Maschinen spezialisiert. Der Vorbesitzer meiner KS 600 gab das komplette Antriebsaggregat mit Getriebe dorthin zur Aufarbeitung. Die noch vorhandenen handgeschriebenen Belege und Rechnungen sagen einiges über den Reparaturumfang und die Arbeitsqualität des Restaurateurs aus. |
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Auf den alten Unterlagen ist ersichtlich , was alles gemacht wurde: Motorgehäuse ern. , Zylinderköpfe kpl. ern. Kurbelwelle und Pleuel neu gelagert, neue Nadelringe in den Pleueln angefertigt und eingebaut, Kolben und Zylinder ern.,Ölpumpe und Nockenwelle ern. Kipphebel ern., Getriebe neu gelagert und Ketten ern. Kupplung instandgesetzt, Amal Vergaser gegen Bing Vergaser ern., Schaltgestänge neu angefertigt, Zündanlage bei Laubersheimer neu gemacht, Differential neu gelagert und eingestellt. Diese ganzen Arbeiten hatten schon 1988 eine Menge Kosten verursacht , sollten aber für weitere 20 Jahre die letzten sein. Die Restauration wurde aus welchen Gründen auch immer abgebrochen, die gesamte zerlegte Maschine wurde fachgerecht verpackt und trocken eingelagert. Die gesamten Teile - Neuteile und Altteile schlummerten so bis in den Sommer 2007 auf dem Dachboden eines Hauses in ca. 15 km Entfernung vor sich hin. Im Sommer 2007 wurde ich dann von einem gemeinsamen Bekannten auf das zu diesem Zeitpunkt typmäßig noch nicht bekannte Motorrad hingewiesen . Es sollte eine Victoria sein ..oder so... auf jeden Fall schon sehr alt... Vorkrieg oder so! Ein erster Termin zur Besichtigung ging schief, da nur die Mutter des Besitzers anwesend war. Nachdem eine komplette Scheune und sämtliche Garagen mit der alten Dame durchsucht waren und von einem Motorrad keine Spur zu finden war fuhr ich etwas enttäuscht nach Hause. Bei einem daraufhin vereinbarten weiteren Besuch konnte ich dann das " Motorrad " endlich sehen. Auf dem durch eine schmale Treppe erreichbaren Dachboden des Hauses sah ich dann nach dem entfernen von Decken und Abdeckmaterial meine " Victoria " zerlegt. Auf den ersten Blick sah ich jedoch, dass der Kastenrahmen mit einer Victoria nichts zu tun haben kann und ich vor einer Zündapp KS stand. Die Lagerung der Teile und des gesamten Motorrades war so gut , dass noch nicht mal Korrosion oder Rost zu finden war. Ich war begeistert und wir wurden handelseinig. Der Besitzer wollte jedoch , dass seine angefangene Arbeit auch in gute Hände kommt. Er wusste mittlerweile dass ich mehrere andere Maschinen in der Garage habe. Also wurde ein Besichtigungstermin in meiner Motorradgarage vereinbart. Als dann meine anderen Maschinen zu sehen waren, hatten wir beide ein gutes Gefühl und dem Kauf stand nichts mehr im Wege. Schon eine Woche später konnte ich die kompletten Teile abholen und mein Projekt KS 600 beginnen.
Da das zerlegen der Maschine schon andere übernommen hatten und das Antriebsaggregat schon überholt war ging es an die restlichen Arbeiten zu erledigen . Also wurde mit Schleif- und Lackierarbeiten begonnen |
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Der Rahmen und alle Anbauteile wurden geschliffen, grundiert und lackiert sowie mit Linien versehen. Danach wurden die Räder und Reifen überholt, neue Felgen - Lager und Reifen wurden eingebaut |
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Die Bremsen wurden neu belegt und zusammengebaut. Nun ging es daran einen neuen Kabelstrang zu bauen und das ganze zu einem Motorrad zusammenzuschrauben. |
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inzwischen waren auch die Chromteile wieder eingetroffen und auch die Auspuffanlage geliefert - das Motorrad konnte fertiggestellt werden. Es waren nur noch ein paar Tage bis zum ersten Startversuch, die Freude und die Neugierde waren entsprechend gross. Nach den normalen Einstellarbeiten und der Befüllung des Tanks ,kam der grosse " Augenblick" : -Vergaser fluten- Luftschieber zu - mehrmals ohne Zündung durchtreten - Zündung auf "Spät" und Zündschlüssel rein. Nach dreimal treten war der Supersound der Zündapp in der ganzen Umgebung zu hören. |
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Schon die ersten Probefahrten zeigten welches Potential und Durchzugskraft in der Maschine steckt. Aber erst muss sie eingefahren werden. Dazu war wie in den vorhergegangenen Jahren der Urlaub im Herbst vorgesehen. Es wurden mehr als 1000 km in der Gegend von Bad Griesbach- Passau und Österreich ohne Problem abgespult . Die Zündapp macht RIESENSPASS zu fahren und ist ein Schmuckstück geworden. Nach dem Urlaub ging die erste Fahrt zu ihrem Exbesitzer , dieser war sehr stolz auf "sein Motorrad " und zufrieden , dass die Maschine in gute Hände gekommen ist.
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Technische DatenZündapp KS600
Tankinhalt 15 Ltr.
Datenblatt Arbeitsweise Viertakt Zylinderanzahl 2 Bohrung 75 mm Hub 67,7 mm Hubraum 597 ccm Verdichtungsverhältnis 1:6,4 - 6,7 Motorleistung 28 PS bei 4700 U/min Öldruckumlaufschmierung Höchstgeschwindigkeit je nach Achsübers. Ca. 115 Km/h Kolbenspiel 0,08 mm Ventile hängend Ventilspiel kalt A 0,25 mm E 0,25 mm Lichtmaschine Noris 6/50/6 Zündverstellung manuell von Hand Vergaser Bing umgebaut Hinterrad Übersetzung Solo 7:38 SW 6:38 Getriebe Übersetzungen 1ter Gang 1:3 2ter Gang 1:1,8 3ter Gang 1:1,13 4ter Gang 1:0,88
Radstand 1390 mm Länge max. 2150 mm Breite mit Normallenker 820 mm Sattelhöhe 720 mm Bodenfreiheit 130 mm Wendekreis 4,6 mtr Reifengröße 3,50 - 19 Reifenluftdruck Vorne / Hinten 1,5 / 1,75 bar Max Zuladung 200 Kg Verbrauch / Solo ca. 4,5 Ltr. / 100 Km Ölverbrauch ca. 0,1 Ltr. / 100 km Leergewicht mit vollem Tank 192 Kg
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